Freche Meinung

Peter Frech

Die Giga-Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI zeigen, wie das Endspiel für das passive Investieren effektiv aussehen wird: Firmen werden am Privatmarkt künstlich auf eine gigantische Kapitalisierung aufgepumpt und dann wird bei den Indexinvestoren abkassiert...

Bis jetzt hatte ich immer gedacht, dass am Ende des langen Trends zum passiven Investieren ein verwirrter Kleinanleger aus Kassel und wir mit unseren Trades die Kurse machen, welche alle anderen passiven Anleger dann nachbilden. Doch einmal mehr habe ich die Skrupellosigkeit der Finanzmarktindustrie unterschätzt. Die Giga-Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI zeigen, wie das Endspiel für das passive Investieren effektiv aussehen wird: Firmen werden am Privatmarkt künstlich auf eine gigantische Kapitalisierung aufgepumpt und dann wird bei den Indexinvestoren abkassiert. Elon Musks SpaceX ist mit einem Wert von 1770 Milliarden Dollar an die Börse gekommen. Das ist das 93-fache des Umsatzes des völlig unprofitablen Unternehmens. Dank einer Sonderbewilligung wird der Gigant bereits nach 15 Tagen in den Nasdaq-100-Index aufgenommen. Gleichzeitig wurde die Haltefrist für die Insider und Venture-Kapitalisten gestaffelt unter die üblichen 180 Tage verkürzt. Die Altaktionäre können bereits nach den Quartalszahlen vom Juni 20% ihrer Aktien abladen, während die passiven Index-Anleger zu jedem Preis kaufen müssen. Je mehr die Insider auf den Markt werfen, desto höher der Freefloat und damit die Indexgewichtung von SpaceX, was wiederum mehr passive Käufe auslöst. Kurz nach SpaceX werden voraussichtlich Anthropic und OpenAI das gleiche Spiel abziehen. Ein gigantischer Vermögenstransfer von Dutzenden oder gar Hunderten Milliarden Dollar aus den Händen passiver Investoren in die Taschen der Insider steht an.

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